Zehn Jahre Cape Classic – Charitable Culture

Der Weg war lang und steinig

Wenn Gabi Zahn, die Gründerin und Intendantin des Cape Classic Festivals von den Anfängen ihres Projektes im Jahr 2004 erzählt, dann wird deutlich, dass sie für ihre Vision, in Südafrika Klassik auf höchstem Niveau anzubieten und gleichzeitig unterpriviligierte Township-Kinder zu fördern, einen langen und steinigen Weg gegangen ist. „Zu Beginn hatte ich keine eigene Wohnung, und mein knappes Budget wollte ich nicht mit den Kosten für ein Hotel belasten. Deshalb habe ich mich in das frühere Kinderimmer eines Pensionistenpärchens gemietet. Ins Internet kam ich damals nur über ein Kabel, das gerade mal vom Arbeitszimmer meiner Vermieter bis zu meiner Toilette reichte.“

Ohne Helfer oder Fürsprecher

Und so startet sie ihr Kultur- und Sozialprojekt auf dem Toilettendeckel sitzend. Die ohnehin langen Wege, die sie fahren muss, werden sehr oft noch länger, denn sie ist nicht ortskundig und ihr Auto hat kein Navi. Am jeweiligen Ziel angelangt, bleibt die Tür nicht selten verschlossen, denn niemand kennt sie; folglich hat sie weder Fürsprecher noch Helfer. Ganz auf sich alleine gestellt, klappert Gabi Zahn Wochen lang alle in Frage kommenden Veranstaltungsorte und potentiellen Sponsoren ab. Im Februar 2005 aber hat sie es dann geschafft: In der Endler Hall, der Konzerthalle der Universität Stellenbosch, findet das erste Cape Classic Konzert statt. Weitere Konzerte folgen, unter anderem auf dem weltberühmten, im Jahr 1700 erbauten Weingut Vergelegen bei Somerset West. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Schumann und Schubert. Es gelingt ihr, den Bayerischen Staatsminister Dr. Thomas Goppel als Schirmherren zu gewinnen. Er übt diese Funktion noch bis 2009 aus. Seine Nachfolger sind Staatsminister Siegried Schneider und der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Im Jubiläumsjahr 2014 waren es auf bayerischer Seite die Staatsministerin Emilia Müller und von Seiten der Westkap Regierung Minister Ivan Meyer.

Rund 826.000 Rand für soziale Projekte

Bis heute ist Cape Classic eine 100-prozentige, unbhängige Privatinitiative, die bisher mit mehr als 60.000 Euro (nach aktuellem Kurs rund 826.000 Rand) soziale Projekte unterstützt hat. Alle Künstler treten ohne Gage auf.  Die Flug-, Unterkunfts-, Verpflegungs- und Mobilitätskosten trägt Cape Classic. Im Verlauf der Jahre ist es Gabi Zahn gelungen, das Cape Classic Festival zu einem ‚Brand‘ zu machen. Ihr Name und ihre Funktion als Botschafterin dieser Marke sind mittlerweile über die Grenzen des Westkaps und Bayerns hinaus ein Begriff. Neben der Bayerischen Staatsregierung als Premium Sponsor unterstützen heute namhafte Unternehmen sowie europäische, südafrikanische und amerikanische Privatleute ihre Initiative. Der Einsatz, den Cape Classic, „grundsätzlich“ erfordere sei nach wie vor sehr zeit- und energieaufwendig, so Zahn. Aber Dank des positiven Image des Festivals öffne sich heute so manche Tür, ohne dass sie anklopfen müsse. So sei sie beispielweise vor zwei Jahren vom italienischen Botschafter gefragt worden, ob sie daran interessiert sei, eine Veranstaltung in seiner Residenz auszutragen. Und am nächsten Tag sei dann der deutsche Botschafter mit der gleichen Frage an sie herangetreten. Nachdem sie die jeweiligen Räumlichkeiten auf ihre Eignung hinsichtlich Akkustik und Größe begutachtet hatte, fanden 2013 in beiden Botschaften zum ersten Mal Festivalkonzerte statt. In 2014, dem Jubiläumsjahr, konzertierten hier abermals verschiedene der von Gabi Zahn eingeladenen Musiker.

Künstler und Veranstaltungsorte der Extra-Klasse

Weitere ‚Location-High-Lights‘ waren das Castle of Good Hope – das älteste Gebäude Kapstadts, die Moederkerk in Swellendam und historische Weingüter, wie zum Beispiel das aus dem 18. Jahrhundert stammende Morgenster oder das Babylonstoren. Das Abschlusskonzert – das einzige mit sakraler Musik – fand in Swellendam statt. Wie auch in den Jahren zuvor, traten „ausschließlich Künstler der Extra-Klasse“, unter anderem der deutsch-russische Pianist Boris Kusnezow, die Sopranistin Katja Stuber, der Bariton Andreas Beinhauer und der Flötist Markus Brönnimann auf. Ursprünglich hatte Gabi Zahn geplant, zum 10-jährigen Festivaljubiläum ein eigenes Projekt zu starten: Den Bau eines Cape Classic Kindergartens in Rondondomskrik, einem Township von Swellendam. Nachdem dieses Vorhaben aber scheiterte, kam das Geld dem Swellendam Bursary Fund zugute, einer Einrichtung, die armen, ortsansässigen Jugendlichen eine Weiterbildung ermöglicht.

Ihr Wunschtraum – gestern und heute

Auf die Frage, welch besonderen Wunsch sie denn für die Jahre nach dem Jubiläum habe, erklärt sie, dass ihr Wunschtraum immer noch der gleiche sei wie vor zehn Jahren: Ein Konzert mit Messen von Bach oder Mozart, gemeinsam aufgeführt von einem deutschen und einem südafrikanischen Chor in einer „Traum-Location“, der renovierten Kirche von Gnadental, einem kleinen Ort zwischen Kapstadt und Swellendam. Aber das Problem sei heute dasselbe wie damals, dass Künstler in Festanstellung während ihrer Abwesenheit für Ersatz sorgen müssten, und Freiberufer einen Verdienstausfall zu verkraften hätten. „Somit liegt die Schmerzgrenze bei 14 Tagen Aufenthalt in Südafrika. Das aber ist letztendlich zu wenig Zeit, um die Konzerte und die gemeinsamen Proben, die für eine solche Aufführung unbedingt erforderlich wären, unter einen Hut zu bringen.“

Ausdruck harmonischer Zusammenarbeit

Und worüber freute sie sich am meisten? Natürlich über die Teilnahme der ausnahmslos hochkarätigen Musiker und die Veranstaltungen selbst, mit deren Reinerlös von rund 103.000 Rand sie auch dieses Jahr wieder „etwas bewegen“ kann. Darüber hinaus aber sei sie besonders glücklich darüber gewesen, dass Emilia Müller und Ivan Meyer, die beide schon seit 2012 die Schirmherrschaft hatten, auch 2014 diese Funktion wieder ausübten, dass das Eröffnungskonzert in der deutschen Botschaft stattfinden konnte, dass der Bayerische Rundfunk die Musikexpertin Ursula Adamski-Störmer zur Berichterstattung zum Westkap entsandt hatte, und dass der 54-köpfige Jugendmusikkorps von Bad Kissingen, in Uniformen von 1812, bei drei Konzerten das Publikum begrüßte. Die seitens der bayerischen Staatsregierung ermöglichte Teilnahme dieser ungewöhnlich großen Anzahl von Musikern untermauerte, so Zahn, das Grußwort, das sie von Emilia Müller erhalten hatte: „Die Konzertreihe Cape Classic ist harmonischer Ausdruck der Zusammenarbeit zwischen der Provinz Westkap und dem Freistaat Bayern.“ Weitere Informationen zu Cape Classic Charitable Culture und dem Programm des Festivals in 2015 finden Sie unter www.capeclassic.com

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